RAGNAR – Risikoanalyse für (gesperrte) Bergwege

Was ist RAGNAR? – Wegehalter stehen insbesondere in Zeiten des Klimawandels vor großen Herausforderungen. Einige Steinschläge haben in den letzten Jahren im Bezirk Landeck auf vielbegangenen alpinen Weitwanderwegen immer wieder Wegsperren nötig gemacht.

Mit einem neuen Tool kann ein Wegehalter (das sind bei uns oft Gemeinden, Agrargemeinschaften oder Alpenvereine) eine umfassende Argumentation und Dokumentation im Schadensfall ausarbeiten, die weit über der rechtlichen Sorgfaltspflicht steht.

Die „Hot Spots“ im Tiroler Oberland, bei denen RAGNAR erstmals eingesetzt wurde, waren am E5 der Abstieg aus dem Zammer Loch nach Zams und der Übergang am Kaunergrat am Madatschjoch, der Drischlsteig in Imst, aber auch der vielbegangene Wallfahrtsweg nach Kaltenbrunn.

R.A.G.N.A.R. ist ein niederschwelliges und innovatives Werkzeug zur Beurteilung von gravitativen Naturgefahren im alpinen Raum.

Walter Würtl von LO.LA

Die Risiko Analyse Gravitativer Naturgefahren im Alpinen Raum (R.A.G.N.A.R.) ist ein niederschwelliges und praxistaugliches Werkzeug zur Beurteilung von Risiken auf alpinen Wegen. Alle verfügbaren Datengrundlagen und Risikomethoden bilden die Basis. Das lokale Wissen von Expert:innen vor Ort ist ein weiterer Faktor, der bei RAGNAR genutzt wird.

Workflow beim Risikowerkzeug RAGNAR (c) LO.LA
Standardmäßiger Workflow beim Risikotool R.A.G.N.A.R., (c) LO.LA

R.A.G.N.A.R. wurde vom Land Tirol (Abteilung Sport gemeinsam mit der Abteilung Waldschutz/Landschaftsdienst) und vom Österreichischen Alpenverein (Abteilung Hütten und Wege) mit fachlicher Unterstützung der Landesgeologie Tirol entwickelt. Begleitet und umgesetzt wurde das Projekt von LO.LA Peak Solutions GmbH.

Ein Artikel mit detaillierte Informationen zu RAGNAR findet sich in der alpinen Fachzeitschrift bergundsteigen. Außerdem stellen die beteiligten Partner einen Onlinerechner zur Verfügung, mit dem man das Risiko für einen Wegabschnitt selbst berechnen kann.

RAGNAR Risikoanalyse Onlinerechner
R.A.G.N.A.R. Onlinerechner (Screenshot)

Was kann nun das Ergebnis aus der Anwendung von RAGNAR sein? Ergebnis ist eine verlässliche Entscheidungsgrundlage, ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Im obigen Artikel werden mögliche Maßnahmen genannt: Das können bauliche und/oder organisatorische Maßnahmen sein, aber auch die Kommunikation des Restrisikos an die Wegenutzer.

Was Wegehalter, Touristiker und Wegenutzer vermeiden wollen: dass alpine Wege „aus Sicherheitsgründen“ monatelang gesperrt bleiben. RAGNAR kann ein Weg sein, diese Sperren und damit auch volkswirtschaftlichen und sozialen Schaden zu verhindern.

„Es kann nicht das gesellschaftliche Ziel sein, sämtliche potenziellen alpinen Gefahrenstellen im Hochgebirge bautechnisch wegzusichern.“

Christoph Höbenreich, Land Tirol Abteilung Sport

Fotogalerie RAGNAR – Tool für gravitative Naturgefahren

Literatur

05.05.2020 R.A.G.N.A.R.-Artikel in Berg & Steigen
01.06.2020 tirol.orf.at – Neue Risikoanalyse für Bergwege
Ragnar Onlinerechner – Risiko selbst berechnen – Bergwelt miteinander
RAGNAR – Werkzeug zur Risikoanalyse von gravitativen Naturgefahren im alpinen Raum – LO.LA Peak Solutions GmbH

DI Christian Klingler

Christian Klingler

Daten & Innovation bei der Tirol Werbung
IT-Sachverständiger
Hobbysportler (Berg, Skitour, Trail)
Mitglied einer Lawinenkommission

Mitarbeiter bei ASI-Tirol 2000-2006 und Mitherausgeber von alpinesicherheit.com

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